Freie Republik HORA
Freie Republik HORA

Re-Thinking Regie

Re-Thinking Regie

Von Yvonne Schmidt

Wir haben das Forschungs-Projekt DisAbility on Stage im Frühling 2016 angefangen.
Wir haben 6 Mitglieder von Theater HORA begleitet.
Diese 6 Leute haben als Regisseur oder Regisseurin gearbeitet.
Das heißt: Sie haben alle ein eigenes Stück gemacht.
Das Forschungs·Projekt gehört zu Freie Republik HORA.
Die Abkürzung dafür ist FRH.

Diese 6 Leute haben als Regisseur oder Regisseurin gearbeitet.
Sara Hess führt Regie bei dem Stück «Über Leben auf der Strasse»

Sara Hess

Tiziana Pagliaros ist Regisseuring vom Stück «Randen Saft Horror»

Tiziana Pagliaro

Die Regiesseurin Nora Tosconi

Nora Tosconi

Der Regisseur Frank Thomas

Frank Thomas

Matthias Brückner führt Regie bei dem Stück: «Ich sage kein Wort.»

Matthias Brücker

Gianni Blumer, Regisseur

Gianni Blumer

Diese 6 Leute haben als Regisseur oder Regisseurin gearbeitet.

Wir haben das Forschungs·Projekt begleitet.
Wir haben die Proben gefilmt.
Wir wollten wissen:
Wie verändert sich das Theater durch das Forschungs·Projekt?
Was verändert sich, wenn Theater·Leute mit geistiger Behinderung dabei sind?
Wie verändert sich das Arbeiten?

Wir wollten vor allem 3 Dinge heraus·finden:

  • Was brauchen Menschen mit geistiger Behinderung, um Regisseur oder Regisseurin zu sein?
  • Wie kann sich das Publikum mit den Regisseuren und Regisseurinnen aus·tauschen? Wie können sie auf Augen·Höhe über die Stücke sprechen?
  • Helfen die Publikums·Gespräche den HORA-Mitgliedern? Verändern sie dadurch ihre Arbeit als Regisseur oder Regisseurin?

Ich bin Theater·Wissenschaftlerin.
Ich wollte wissen:
Wie führen die HORA-Mitglieder Regie?
Was machen sie in der Proben·Woche mit der Gruppe?
Werden ihre Stücke sehr unterschiedlich?

Wie wirken sie auf der Bühne?

Den Beruf Regisseur oder Regisseurin gibt es noch nicht sehr lange.
Und: Jeder Regisseur und jede Regisseurin macht ihre Arbeit anders.
Die Kunst hat immer viel mit der Person zu tun.

Eine Szene aus Nora Tosconis Stück «Zyklus»

Eine Szene aus dem Stück «Zyklus».
Nora Tosconi hat Regie gemacht.

 

Eine Szene aus dem Stück «Zyklus».
Nora Tosconi hat Regie gemacht.

Zusammen·arbeiten ist wichtig

Dann habe ich die Proben bei Freie Republik HORA beobachtet.
Und ich habe gemerkt:
Mein Blick verändert sich.
Ich achte immer weniger nur auf den Regisseur oder die Regisseurin.
Ich achte immer mehr auf das Ensemble.
Wie arbeiten alle zusammen?
Halten sich alle an die Regeln?
Gibt es verschiedene Meinungen?
Wie einigen sich die HORA-Mitglieder?
Wie entwickeln sich die verschiedenen Gruppen·Mitglieder weiter?
Wie schaffen sie zusammen Kunst?

Ich wollte wissen:
Wie klappt die Zusammen·Arbeit?
Wie arbeitet der Regisseur als Einzel·Künstler?
Und wie arbeitet er oder sie mit der Gruppe zusammen?
Und verändert das etwas?
Für die HORA-Mitglieder?
Aber auch für das Theater?

Einzelne HORA-Mitglieder haben wichtige Theater·Preise gewonnen.
Das ist neu.

Was sich in den letzten Jahren geändert hat

Theater HORA ist sehr erfolg·reich.
Und auch andere Theater·Gruppen mit Schauspielern und Schauspielerinnen mit geistiger Behinderung.
Die Zusammen·Arbeit in den Gruppen verändert sich in den letzten Jahren.
Es steht nicht immer die ganze Gruppe zusammen auf der Bühne.
Manchmal spielen nur wenige Gruppen·Mitglieder in einem Stück mit.
Oder sie arbeiten mit anderen Schauspiel·Gruppen zusammen.
Zum Beispiel:
Theater HORA arbeitet zusammen mit Kraut_Produktion.
Oder:
Theater HORA haben auch mit dem Helmi oder Milo Rau zusammengearbeitet.

Noch etwas hat sich bei Theater HORA verändert:
Die Gruppe reist öfter.
Sie spielen ihre Stücke in vielen verschiedenen Städten.
Theater HORA hat mit Jêrome Bel gearbeitet.
Sie haben zusammen das Stück «Disabled Theater» gemacht.
Das Stück hatte großen Erfolg.
Menschen auf der ganzen Welt wollten es sehen.
Darum ist Theater HORA in vielen verschiedenen Städten und Ländern damit aufgetreten.

Eine Szene aus Frank Thomas' Stück «Die Räuber»

Matthias Brücker und Tiziana Pagliaro.
Beide sind Schauspieler in dem Stück «Die Räuber».
Frankie Thomas hat in dem Stück Regie gemacht.

Und:
Einzelne HORA-Mitglieder haben wichtige Theater·Preise gewonnen.
Nicht die ganze Gruppe hat den Preis gewonnen.
Sondern nur eine einzelne Schauspielerin.
Oder ein einzelner Schauspieler.

Das ist neu.
Es zeigt: Schauspieler und Schauspielerinnen mit Behinderung können Profis sein.
Sie machen gutes Theater.
Und immer mehr Menschen erkennen das.
Man weiß noch nicht:
Welche Rolle spielt Theater HORA in der Zukunft?

Wenn alle zusammen·arbeiten, ändert sich die Kunst

Im Forschungs·Projekt habe ich etwas fest·gestellt:
Freie Republik HORA ist eine Arbeit mit der ganzen Gruppe.
Alle HORA-Mitglieder machen dabei mit.
Und es ist auch eine Arbeit an der Gruppe.
Vieles verändert sich dadurch:
Die Zusammen·Arbeit.
Die Rollen in der Gruppe.
Die gemeinsame Kunst.

Wir haben zusammen Freie Republik HORA gespielt.
Und davor hat die Gruppe schon viele Jahre zusammen·gearbeitet.
Sonst hätten wir Freie Republik HORA so nicht machen können.
Wir verstehen uns gut.
Und wir haben eine ähnliche Vorstellung von Theater.
Wir waren uns einig.

In manchen Stücken haben auch andere Schauspieler oder Schauspielerinnen mit·gespielt.
Diese Schauspieler und Schauspielerinnen gehören nicht zum HORA-Ensemble.
Die HORA-Regisseure und Regisseurinnen wissen:
Wie arbeite ich mit meinen Kollegen und Kolleginnen zusammen?
Wie muss ich mit ihnen sprechen?
Das war in der Zusammen·Arbeit mit den anderen Schauspielern und Schauspielerinnen anders.

In der Freien Republik HORA gab es 6 Stücke

In vielen Stücken konnte man sofort erkennen:
Das ist ein HORA-Stück.
Es gab oft Erinnerungen in den Stücken an andere Stücke von HORA.
Bilder oder kurze Texte sind wieder aufgetaucht.
HORA ist nicht nur eine Theater·Gruppe.
Es ist auch eine eigene Art von gemeinsamer Kunst.
Trotzdem waren die 6 Stücke sehr verschieden.
Die 6 Regisseure und Regisseurinnen haben ganz unterschiedlich gearbeitet.

Sara Hess hat ein Musical gemacht.
Ihr Stück heißt: «Über das Leben auf der Straße».
In ihrem Stück gab es Live-Musik.
Das heißt: Die Musik kam nicht von einer CD.
Sie wurde von Musikern und Musikerinnen direkt auf der Bühne gespielt.
In dem Stück geht es um Obdachlosigkeit.
Also um Menschen, die keine Wohnung haben.

Tiziana Pagliaros Stück heißt «Randen Saft Horror».
In ihrem Stück haben 3 Schauspieler mit·gespielt.
Sie waren ganz weiß geschminkt.
Wie in einem Horror·Film.
Die Schauspieler schütten roten Randen·Saft auf weiße Hemden.

Frankie Thomas Stück heißt «Die Räuber».
Es ist ein bekanntes Stück.
Friedrich Schiller hat es geschrieben.
Frankie hat viel Techno·Musik gespielt.
Er hat nicht nur die Regie gemacht.
Er ist auch in seinem Stück selber aufgetreten.

Bilder von den Stücken in der Freien Republik HORA
Bilder von den Stücken in der Freien Republik HORA

Gianni Blumers Stück heißt «Das Fest·Essen der neuen Präsidentin von Hunger Games».
Hunger Games ist eine Buch·Reihe.
Und es gibt Kino·Filme dazu.
Auf Deutsch heißen sie «Die Tribute von Panem».
Um diese Geschichten ging es im Stück von Gianni Blumer.

Nora Tosconis Stück heißt «Zyklus».
In ihrem Stück geht es um ihr eigenes Leben.
Und ums Erwachsen·Werden.

Matthias Brückers Stück heißt «Ich sage kein Wort».
In seinem Stück geht es um die Frage:
Sollten Personen mit Down-Syndrom im Wohn·Heim wohnen oder bei ihren Eltern?
Es werden Pop·Songs gespielt.
Und die Schauspieler und Schauspielerinnen improvisieren dazu.

Das heißt:
Die Themen der Stücke waren sehr unterschiedlich.

Was war noch unterschiedlich?

Der Umgang mit Zeit.
Wie viel Proben·Zeit brauchen die HORA-Mitglieder für ihre Stücke?
Auch das wollten wir mit dem Forschungs·Projekt heraus-finden.
Und noch etwas war spannend für mich:
Nicht alle Ideen wurden auch aufgeführt.
Viele Sachen wurden in den Proben ausprobiert.
Dann wurde weiter·gearbeitet.
Die Stücke haben sich verändert.
Nicht alles wurde am Ende auf der Bühne gezeigt.
Und ich habe gemerkt:
So waren die Proben genauso spannend wie die Aufführungen.

Ein Foto von Anton Rey. Er ist Theater·Professor an der Zürcher Hochschule der Künste.

Yvonne Schmidt ist Theater·Wissenschaftlerin. Sie leitet das «Projekt DisAbility on Stage». Sie arbeitet an der «Züricher Hochschule der Künste». Das ist eine Hoch·Schule in der Schweiz.

Ein Foto von der Theater·Wissenschaftlerin Yvonne Schmidt

Yvonne Schmidt ist Theater·Wissenschaftlerin. Sie leitet das «Projekt DisAbility on Stage». Sie arbeitet an der «Züricher Hochschule der Künste». Das ist eine Hoch·Schule in der Schweiz.

Mehr über die Freie Republik HORA

Wie reden wir über Schauspieler und Schauspielerinnen mit Lern· Schwierigkeiten?

Nele Jahnke war Assistentin bei «Freie Republik HORA». Hier schreibt sie darüber.

Die Mitglieder von HORA haben Tagebuch geführt. Hier kann man etwas davon lesen.

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